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Siegfried Cremer, à Pigage, 1998, Papiercollage, 51,5 x 59 cm, Kunstpalast, Stiftung Sammlung Kemp, Düsseldorf, © Nachlass
Foto: Kunstpalast, Heinz Vontin

Ein Hauch barock

Aus der Sammlung von Willi Kemp im Kunstpalast

Ausstellungen mit der Sammlung von Willi Kemp sind immer erfreulich, besitzen immer eine hohe Qualität, schon weil Kemp (1927-2020) seinen Künst­ler*innen zeitlebens treu geblieben ist und die Werkentwicklungen mit relevanten Erwerbungen begleitet hat und weil er, obzwar Privatsammler mit der Begrenzt­heit einer Wohnung, etliche große Formate zusammentragen konnte: wahre Museumsbilder, die mit seiner Stiftung in die Sammlung des Kunst­palast übergegangen sind.
Dort ist nun also, zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung, eine Auswahl zu sehen, die einzelne von Kemps Hauptkünstlern in eigenen Kapiteln vorstellt und in einen Dialog mit der hauseigenen Malerei, Zeichnung und Skulptur des Barock setzt. Bei Künstlern wie Bernard Schultze oder Hann Trier funktioniert das überzeugend, bei anderen handelt es sich beim Tertium comparationis um einen Allgemeinplatz. Trotzdem macht das vergleichende Schauen Spaß, und dann stehen ja die Kunstwerke für sich, auf Seiten des Barock etwa von Georg Flegel, Adriaen von Ostade oder Hendrick Goltzius. Natürlich kommt keine so offen formulierte Ausstellung zur Sammlung von Willi Kemp an Goetz und Hoehme, Graubner oder Piene vorbei, die herausragend für die Avant­garde-Bewegungen der Nachkriegsjahrzehnte in Deutschland stehen. Dane­ben wird mit Siegfried Cremer ein wenig bekannter Künstler ins Licht gerückt. Cremer (1929-2015), der zuvor die Restaurierungs-Werkstatt der Staats­­galerie Stuttgart geleitet hat, unterrichtete 1977-94 als Professor für Maltechnik an der Kunstakademie Düsseldorf. Zu allen Zeiten war er als Künstler tätig, der vor allem mit seinen frühen kinetischen Skulpturen für Aufsehen sorgte. Seit den 1980er Jahre hat er sich schwerpunktmäßig der ebenso reduzierten Papier­collage zugewandt. Ausgestellt sind nun – in einer geglückten Ab­ge­schiedenheit – einige dieser Blätter, die Motive der Kunst­geschichte schichten und verflechten.
Überraschend ist hingegen, dass Dieter Roth, Dorothy Iannone und Niki de Saint Phalle dabei sind. Mit dem kunsthistorischen Verständnis von Barock haben sie nur wenig gemeinsam, mit dem Charakter der Sammlung von Willi Kemp wahrscheinlich noch weniger, ja, sie sind in dieser derart marginal vertreten, dass für die Ausstellung Editionen und kleine Formate sowie Werke außerhalb von Kemps Bestand hinzugezogen werden mussten. Aber dann durchbricht ohnehin der Saal am Stirnende, der als zusätzliche Hommage an Willi Kemp völlig andere Kunst zeigt, jede Stringenz – als hätten die Kuratoren des Kunstpalast ihrem eigenen Konzept schließlich doch nicht geglaubt.

Barock Modern, bis 17. Oktober im Kunstpalast, Ehrenhof in Düsseldorf, www.kunstpalast.de

TH

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