Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9

12.490 Beiträge zu
3.741 Filmen im Forum

Forum

Es gibt 251 Beiträge von Matt513

Tote tragen keine Karos

weitere Infos zu diesem Film | 4 Forenbeiträge

Cleaning w*man

24.09.2022

Noch ein Detektivfilm, den man unbedngt kennen sollte; sei es halt, daß es 'nur' eine Parodie des Film noir ist.

Es ist der schier unverwüstliche Humor, der diesen einzigartigen Streifen auch über Jahrzehnte hinweg auszeichnet. 'Spielt in dieser Hinsicht in einer Liga mit Das Leben des Brian oder Ein Fisch namens Wanda, über deren Späße man auch wieder und wieder lachen kann. Wie der Film im Gewand eines großen Hollywood-Klassikers versucht, eine ernste Miene zu Martins Situationskomik zu ziehen und daran grandios scheitert, einfach klasse. Analog, wie Wards Juliet darin stets die Contenance behält, während Martins Rigby sich ihr gegenüber hinreißend ungebührlich, wie ein Höhlenmensch oder gleich wie Frankensteins Monster verhält. Ein großartiges Drehbuch aus der Feder Reiners und Martins. Und ja, die deutsche Synchro ist wirklich fürchterlich. Niemals anders als auf englisch anschauen, ggf. OmU, zumal die englische Tonspur manche Sprachperle enthält. Ich wußte bisher jedenfalls nicht, was 'to hand a Mickey' oder 'to start the whoopee machine' bedeutet.

Chinatown

weitere Infos zu diesem Film | 2 Forenbeiträge

Da, wo die Chinesen wohnen

17.09.2022

spielt der allergrößte Teil des Films gar nicht. Lange Zeit hatte ich gedacht, dem sei so. Aber außer der Szene, wo Nicholsons Privatdetektiv Gittes die Nase von Polanskis namenlosem Mobster tranchiert bekommt, kannte ich auch gar nichts weiter.

Tatsächlich bezieht sich die Ortsangabe mehr auf die Beschreibung eines parallelen, für den einfachen Bürger gleichsam unabänderbaren Gesellschaftszustands. Dort, in Chinatown nämlich, lebt man nach eigenen Regeln, gelten andere Gesetze. Ähnlich verhält es sich mit den Dingen, die Gittes mit der Beharrlicheit einer Schmeißfliege aufdeckt. Gleich zu Beginn wird er wider Willen gegen einen unbescholtenen Mann der kommunalen Wasserversorgung instrumentalisiert. Nicht eben das Werk von Kleinganoven. Aber warum? Mit fortgesetztem Schürfen stößt Gittes in die Machtzirkel vor, die hinter den Kulissen die Fäden nach eigenen Regeln ziehen, gewissermaßen ihr eigenes Chinatown inmitten der Gesellschaft zelebrieren. Der Umgang wird rauer. Gittes riskiert viel. Größer sind die Dinge, als anfänglich zu vermuten war.

Von der exquisiten Ausstattung sowie der Kamera her, die dem Zuschauer immer mal Gittes' Perspektive verleiht, ist der Film ein Genuß. Heutzutage würde alles zu perfekt, weil zu dick aufgetragen wirken. Damals traf Polanski es gut, finde ich. In seinem Werk, das Mitte der 70er den Film noir alter Prägung beschwor, hätte ich allerdings eine vermeintlich klassischere Handlungslinie erwartet, worauf ich auch wegen erwähnter Nasenszene getippt hätte. Der junge Nicholson ist eine Wucht und Dunaway, deren Figur im Film viele Volten nimmt, ist es auch.

Fahrenheit 451

weitere Infos zu diesem Film | 1 Forenbeitrag

Bücher verbrennen (again)

10.09.2022

Für mich ist Guy Montags Wandlung im Film vom bücherverbrennenden „Feuermann“ (so muß man das Wort Fireman im Roman wohl eher lesen. Und eben nicht als Feuerwehrmann) hin zum Dissidenten nur schwerlich nachvollziehbar. Bradbury beschreibt das ausführlicher; dort vollzieht Montag seine Wandlung durch häufigen Austausch mit seiner liberal denkenden Nachbarin Clarissa. Das ist mir im Film zu kurz geraten, als daß man Montag, in seiner Feuerbrigade auf bestem Karriereweg, den inneren Konflikt und schließlich die Verwandlung abnehmen könnte.

Deswegen konnte ich Truffaut das nicht ganz abkaufen. Unglücklich seine Entscheidung, den Film in England bzw. dann eben auf englisch zu drehen. Entstehung des Films bzw. insbesondere des Drehbuchs litten darunter, daß er nur französisch sprach. Im Ergebnis wirkt die Inszenierung oft steif und statisch und behandelt die Fragestellungen der Romanvorlage eher oberflächlich.

Dagegen weit seiner Zeit voraus gewesen ist er, als er den großen Flatscreen als raumbeherrschendes Wohnzimmermöbel, ja gleichsam als sowas wie ein Familienmitglied darstellt, dessen bisweilen interaktives Programm die Zuschauer sediert.

Witzig: Vor Übernahme des Projekts hatte Truffaut bekundet, ihn interessiere Science-Fiction eigentlich nicht. Jahre später spielte er den Claude Lacombe in Spielbergs Unheimliche Begegnung der Dritten Art.

Noch eine Bemerkung zu Anton Diffring, der Montags argwöhnischen Gegenpart Fabian spielt. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns floh er aus Deutschland vor Kriegsbeginn nach Canada, wo er als 'feindlicher Ausländer' einige Zeit in Internierung verbringen mußte. Diffring machte seinen Weg in Hollywood; jedoch aufgrund seines 'arischen' Aussehens fast ausschließlich als Antagonist sowie ausgerechnet mit Rollen als Wehrmachts- oder Nazioffizier. Sein Schicksal muß man geradezu als tragisch begreifen.

Im Westen nichts Neues (1930)

weitere Infos zu diesem Film | 1 Forenbeitrag

Kriegs- / Antikriegsfilm

07.08.2022

Im Anschluß an Mendes' 1917 habe ich mir Lewis Milestones Klassiker noch einmal komplett angeschaut. Es sind diese Aspekte, die ihn als großartigen, wichtigen Antikriegsfilm und dann gleichzeitig eigentlich auch als ebensolchen Kriegsfilm auszeichnen:

Einerseits schlägt er den kompletten Bogen von dem Klassenzimmer, aus dem die jungen Pennäler mit der Lüge vom heroischen Soldatenleben (und -tod!) weg in die Mahlwerke des Krieges gelockt werden, über die Gräben, Bunker und Schlachtfelder mit all ihren Schrecken, Traumata und Entbehrungen, bis zurück in ebenjenes Klassenzimmer. Dort wird dem nächsten Jahrgang vom selben Lehrer dieselbe Lüge serviert. Bäumer, der ehemalige Pennäler, nun desillusionierter Veteran tritt ein und bereut seine Entscheidung, diesen Wahnsinn jemals mitgemacht zu haben. Und die Jungen verurteilen ihn dafür. Wie sollten sie es auch besser wissen?

Auch Oliver Stones eindringlicher Geboren am 4. Juli bebildert diesen Bogen, ebenso wie Hannes Waders Es ist an der Zeit die Quintessenz formuliert. Es ist diese infame Mechanik, mit der kriegführende Nationen seit jeher ihre Sprößlinge drankriegen, doch bitte anstelle der weiter hinten in Deckung sitzenden Befehlshaber ins Feuer zu marschieren. Den Hinweis aufs aktuelle Geschehen spare ich mir.

Mit all diesem im Kopf muß andererseits und rein cineastisch die Darstellung des Kampfes auf dem offenen Feld gewürdigt werden. Milestone gelingt es, mit einer für die damalige Zeit unerhörten Mischung aus Kameraführung, Schnitt und Ton (vor allem die unablässig pfeifenden Granaten) die ganze nervenzerreißende Dynamik eines ja in Echtzeit ablaufenden Waffenganges einzufangen. Die Zuschauer damals in den Kinos muß dies schier überrollt haben. Man muß immer dran denken, der Film ist Schwarz-weiß und aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts. Eine ähnliche Dramatik konnte miit Wege zum Ruhm knapp zwei Jahrzehnte später auf die Leinwand gebannt werden. Aus der Erinnerung heraus sind mir hier jedoch eher die Totalen beim Sturm sowie die Kamerafahrten durch den Schützengraben in Erinnerung. Hab ihn länger nicht mehr gesehen.

Stets hatte ich geglaubt, bei dem Film hier handele es sich im ein deutsches Werk, nicht zuletzt auch weil er diesen Look einer klassischen UFA-Produktion besitzt. Umso überraschender dann für mich, daß man sich in Hollywood nach dem 1. Weltkrieg nicht nur der Buchvorlage eines Deutschen angenommen, sondern daraus solch einen aufwendigen Film gemacht hatte. Es spricht für die universale Botschaft von Remarques Roman, diesem Fanal gegen den Krieg, daß dies eben so geschah. Die Revanchisten in seiner Heimat freilich, die eh den Ausgang des Kriegs nicht verwinden konnten, machte er sich damit zu Feinden. Nur wenige Jahre später brannten seine Bücher auf den Scheiterhaufen des rechten Pöbels.

1917

weitere Infos zu diesem Film | 4 Forenbeiträge

Flitzpiepens like us

07.08.2022

Nach Nolans Dunkirk scheint mir dies der nächste Versuch eines Regisseurs der jüngeren Generation zu sein, seinem Portfolio den 'Großen Kriegsfilm' hinzuzufügen. Und ähnlich wie bei ersterem ließe sich auch hier formulieren - dumm, daß man damit so spät dran ist und die großen, entscheidenden Episoden bereits in Bilder gesetzt sind.

Eine andere Erklärung dafür, warum es nun ausgerechnet das Jahr 1917 sein mußte, will mir leider nicht einfallen. Es wirkt beliebig. Hey Sam, wenn schon diese Epoche, dann keine Lust verspürt, über Verdun oder die großen Gemetzel an der Marne oder Somme einen epischen Film zu drehen?

Ich kann nicht sagen, daß der Film viel in mir aufwühlte. Dafür ist er in großen Teilen einfach zu hanebüchen inszeniert. Die Mission geht los für die zwei wackeren Korporäle und sehr effektvoll geht der Blick über die beiden hinweg in die aufgerissene, von Stacheldrahtverhau und Gräben zerteilte Ebene zwischen den Fronten. Ich muß zugeben, diese an sich unspektakuläre Szene stellte mir sofort die Nackenhaare hoch. Initial gelingt es Mendes, durch diese Perspektive den Zuschauer auf die gefährliche Tour mitzunehmen. Durch die vermeintlich schnittfreie Kamerafahrt dagegen nicht; solch ein Gimmick lenkt eher vom wesentlichen ab und ist NB: im Falle der Schützengräben dann auch keineswegs neu gewesen. Nach ein paar Schritten verletzt sich einer die Hand. Noch ein paar Schritte weiter und man kommt an einer Leiche mit geöffnetem Brustkorb vorbei, aus dem justament eine Ratte entfleucht (Zufälle gibt’s). Damit nicht genug, beim Sich-Niedersetzen landet die -verletzte- Hand des einen genau in jener offenen Brusthöhle (Zufäl.. ach, das schrieb ich bereits). Weiter geht’s und überall sind dekorativ Leichen drapiert. Nach gelungenem Start rutscht Mendes binnen Minuten auf billiges Geisterbahn-Niveau ab. Das schafft nirgends Schrecken oder Schauer, sondern ist einfach nur doof. Weil er also kein großes Thema finden konnte, beschränkt er sich auf das Triviale.

Je länger die Reise geht, desto mehr dämmert es einem, daß da nichts Spannendes passiert. Erinnert sich einer an die Szene mit dem Scharfschützen im oft zitierten Saving Private Ryan? 'Brachte die Handlung auch nicht wirklich voran, aber was für ein prächtiger Nagelbeißer das mittendrin war! Kubrick sprach von den unversenkbaren Fixpunkten, die einen guten Film ausmachten. Wo sind die in 1917?

Gemütlich geht der Wanderausflug weiter, nunmehr im vormals durch die Deutschen okkupierten Terrain; also nicht daß man dort besondere Vorsicht walten lassen müßte. Ein Fest für jeden zurückgelassenen Heckenschützen, wie sie dort schön nebeneinander herstapfen. Dann das Flugzeug. Ich würde mal sagen, die Chance, daß einem auf freiem Feld ein landender Flieger derart in die Quere kommt, dürfte sehr nahe Null sein. Alleine von daher macht die Szene kaum Sinn. Sowas passiert bestenfalls in Videospielen. Anstelle dann im rechten Winkel dazu, laufen sie in der Verlängerung der Flugbahn davon. Und wie die ganze Szene letztlich ausgeht, geschenkt. Speziell wenn man daran denkt, wessen vitales interesse es war, den Auftrag erfolgreich auszuführen. Da verhält man sich einfach anders, sorry. Was hatten sie dort verloren, warum sind sie ob der wichtigen Mission nicht großräumig dran vorbeigelaufen? Gab es im britischen Expeditionskorps eigentlich auch Soldaten oder waren das alles so Flitzpiepen wie diese beiden? Und die sollen die glorreichen Truppen unseres *schnüff* geliebten Kaisers (*er lebe hoch, hurra!*) besiegt haben?

Es ist ja möglich, daß Mendes die Unerfahrenheit junger Soldaten im Krieg darstellen wollte, was durchaus eine Ergänzung zum bestehenden Kanon des Genres gewesen wäre. Aber das Wie finde ich ungeeignet, plakativ; kurzum, es ist zu wenig gekonnt umgesetzt. Noch eine der Szenen am Schluß, wo es nächtens durch die brennende Stadt geht, mit reichlich Büchsenlicht für feindlichen Beschuß, was fast einen haarsträubenden Showdown heraufbeschwört; ich erspar's mir. Kein Mensch geschweige denn Soldat, der halbwegs daran interessiert ist, am Leben zu bleiben, würde da so naiv durchtapsen.

Es kam mir auch nicht wie ein regelrechter Kriegsfilm vor. Es sind ja quasi keine Kampfhandlungen zu sehen. Das bißchen Piff-paff in der zweiten Hälfte kann man kaum gelten lassen. Am Ende kratzt man sich am Kopf und weiß nicht, was es sein sollte, das man gerade gesehen hat. Würde ich zu der Epoche etwas empfehlen müssen, wäre es neben Wege zum Ruhm dann auch Im Westen nichts Neues.

A Quiet Place

weitere Infos zu diesem Film | 1 Forenbeitrag

Enjoy the silence

06.08.2022

Abseits von allem Krach und Bumm Hollywoods hat Regisseur und Drehbuchschreiber Krasinski eine formidable Unterart des Endzeithorrors geschaffen. Nach der minimalen Exposition zu Beginn ist man schnell im Bilde - Lärm machen ist keine gute Idee, wenn eins der Aliens in der Nähe ist - bzw. Ferne. Denn ihre extrem ausgebildeten Hörorgane nötigen die Familie im Film zu aberwitziger Geräuschvermeidung.

Als Zuschauer übernimmt man dies schnell. Der Film entwickelt seine Drohkulisse über die kleinen Hintergrundgeräusche. Ton und Musik sind darauf zugeschnitten. In einem normalen Film, ohne obige Prämisse würde dies gar nicht beachtet. Aber hier leidet man auf der Kante des Sessels sitzend mit jedem noch so kleinen Geräusch mit den Charakteren mit, verflacht den eigenen Atem.

Das fast vollständig auf nur vier Familienmitglieder reduzierte Ensemble verleiht zusätzliche Intensität. Es sind starke Motive von Zusammengehörigkeit, Empathie und Liebe, die AQP sehenswert machen. Eine andere Gruppe von Charakteren, die weniger miteinander verbindet, und der Film würde weit weniger fesseln. Ihrer mißlichen Lage entsprechend müssen die vier teils recht intensiv in Gebärdensprache kommunizieren. Es fügt sich da passend ein, daß mit Millicent Simmonds eine der Darstellerinnen gehörlos ist. Man bekommt hier vermittelt, wie es sich anfühlt, wenn man familiäres Zusammenleben dauerhaft organisieren muß, ohne dabei sämtliche Sinne nutzen zu können.

AQP 2 habe ich auch gesehen. Für mich hätte es hier allerdings keine Fortsetzung der dann ja bereits bekannten Drehbuchidee gebraucht, zumal das Ensemble dort erweitert wird und von den außerirdischen Monstren, nun da man sie zur Genüge in diesem Film hier betrachtet hatte, dann auch nicht mehr soviel Schrecken ausgeht. Immerhin wird die Vorgeschichte bebildert. Ein dritter Teil soll 2023 erscheinen.

Once Upon A Time… In Hollywood

weitere Infos zu diesem Film | 8 Forenbeiträge

Auch gut ohne...

06.08.2022

Meiner Meinung nach wäre der Film auch gut ohne etliche der darin auftretenden Figuren ausgekommen. Etwa komplett ohne die Geschichte um den von DiCaprio gespielten Rick Dalton. Zu den übrigen Handlungssträngen weist diese wenig Adhäsion auf.

Wobei man eh sagen muß, daß über den Lauf des Films viel in Bilder gesetzt wird, was die Handlung nicht wirklich voranbringt und deshalb ein wenig manieristisch wirkt. Der unspezifische Titel spiegelt dies auch perfekt wider.

Margot Robbie spielt Sharon Tate tadellos, zumindest nach dem, was von Tates Angehörigen dazu zu vernehmen war. Aber hier ähnlich; nämlich daß Tate im Film überhaupt vorkommt, wird einzig für das Setting des Endes benötigt, welches im übrigen dann im Tarantino-Universum brachial in Szene gesetzt wird. Für den Rest des Films ist ihre Präsenz verzichtbar. Und dann haftet ihren opulenten Szenen auf dem Boulevard oder im Playboy Mansion inklusive des Kurzauftritts von Steve McQueen, jener allerdings verblüffend von Damian Lewis verkörpert, einmal mehr der Ruch von Manierismus an.

Einzig Pitts Cliff Booth macht Freude. Jener hat vom Schicksal beruflich und privat reichlich aufs Maul bekommen. Und was hat dies mit ihm gemacht? Er ist ganz bei sich selbst, gleitet im Caddy dahin, ist mit seinem Dasein als Ricks Chauffeur tagsüber sowie nach Feierabend im Wohnwagen bei TV-Berieselung, Dosenbier und Tütenpasta zufrieden. Bei der Reparatur der Dachantenne rekapituliert er, wie er seinen letzten Job als Stuntman losgeworden ist; eben durch seine Haudrauf-Attitüde, die ihm ein ums andere Mal schon quergeschlagen ist. Schmunzelt drüber und sagt sich: Ist nur fair. Der hat sein Fett weg und fragt nicht nach Nachschlag. Der ganze Film diesem gefallenen Charakter gewidmet und dazu dann *dieses Ende*, das hätte was gehabt.

Vielleicht hat Tarantino hier einfach mal alles verarbeiten wollen, was ihm seit längerem schon zum Thema einfiel, ohne daß er in alledem einen wirklichen roten Faden etablieren konnte, weswegen ein Episodenfilm womöglich das bessere Format gewesen wäre.

Was seinem kommenden Werk guttun würde, wäre eine mal wieder wirklich starke, treibende Idee für ein Drehbuch, so etwa vom Kaliber Kill Bill.

American Graffiti

weitere Infos zu diesem Film | 1 Forenbeitrag

Am Vorabend von 'was Großem

15.04.2022

Der Film, der George Lucas seinen Krieg* der Sterne für die Kinos ermöglichte. Alan Ladd Jr., damals in leitender Position bei 20th Century, erkannte nach Ansicht, daß es sich lohnte, auf den frischgebackenen Absolventen der Filmakademie sowie sein etwas ausgefallenes Skript zu setzen, ergo ihm die Ressourcen für eine große Filmproduktion beizustellen.

Gleichwohl ist diesem Frühwerk hier keinerlei Verwandtschaft zu dem späteren Megaerfolg anzumerken. Nicht nur vom gänzlich unterschiedlichen Sujet her. Zunächst mal ist American Graffiti eine kurze Episode jugendlicher Freunde, einige von Ihnen am Übergang zum nächsten, großen Lebensabschnitt. Das College ruft. Einige werden am nächsten Tag ihr bisheriges Dasein hinter sich lassen, manch einer mag sich von den vertrauten Verhältnissen nicht lösen. A propos Krieg* der Sterne nochmal; Dreyfuss' Curt, am ehesten die Hauptfigur des Films, wirkt wie eine Antithese zu Luke Skywalker. Während jener damit hadert, daß sein Onkel ihn nicht zu den Sternen fortlässt, würde Curt, ein notables Stipendium in der Tasche und begleitet von vielen guten Wünschen, am liebsten seine Abreise auf irgendwann verschieben.

Ferner besitzen Kameraführung sowie Schnittfolge etwas Traumwandlerisches. Häufige Totale und lange Schnitte lassen die abendlichen Szenen, wenn die Jugendlichen in ihren Autos durchs Städtchen cruisen und das Radio die Dialoge halb überdeckt, entrückt, fast wie Nouvelle Vague wirken. Einem Auto sticht man an der Ampel die Reifen platt, aber dessen Insassen lachen fröhlich. Eine Beifahrerin bekommt ein Getränk an den Kopf geworfen, trotzdem haben alle zusammen Spaß.
Man bekommt kein Abbild der Realität vorgeführt, sondern das Abbild eines idealisierten Abbildes der Realität. In Eyes Wide Shut läuft Cruise als Dr. Harford vor einer extra im Studio nachgebauten New Yorker Straßenecke, wodurch die Szene ähnlich surreal wirkt und dazu seinen unsteten Gemütszustand darin unterstreicht. Genauso verhält es sich hier mit Lucas' Charakteren. Ungewiß ist, was sich für manchen im nun anbrechenden Lebensabschnitt ergibt. Was wird sein, wenn ich alleine in der fremden Stadt bin? Wie wird es mit der Clique weitergehen? Wird mein Liebster auf dem College mich vergessen? Werde ich die hübsche Blonde im weißen Thunderbird nochmal wiedersehen? Kurzum, hat irgendwer eine Vorstellung, wie es nun weitergeht? Nö. Lucas war drauf und dran gewesen, sein nachfolgendes Weltraummärchen ähnlich gedreht ins Kino zu bringen; lange, distanzierte Totale, unspektakulärer Schnitt. Der epochale Erfolg wäre wohl ausgeblieben (u.a. der später preisgekrönte Schnitt eines Könners rettete ihn). Aber hier in American Graffiti passt es, denn den Zuschauer läßt es am emotionalen Schwebezustand der Charaktere teilnehmen.

Man muß Lucas' Entscheidung bewundern, in jenen depressiven Jahren solch einen federleichten Film über vergangene Tage zu machen. Vietnam, Watergate, die Ölkrise hatten Nordamerika in den frühen 70ern auf die Knie stürzen lassen. Dem folgend war der Blick des Kinos auf Politik und Gesellschaft ernüchternd, zynisch bis deprimierend. Für einen Newcomer, dessen erster Film THX1138 zudem bei den Sponsoren durchgefallen war, ging Lucas also schon ein gewisses Risiko ein. Was nichts gegen jenes war, das er mit seinem nächsten Film auf sich nahm.
Der Rest ist Geschichte. Aber das konnte die Kinowelt bei diesem 'Vorabend von 'was Großem' natürlich nicht ahnen :).


______________
*Psst, falls jemand aus St.Petersburg anruft, ich habe dieses Wort nie benutzt, OK?

The Father

weitere Infos zu diesem Film | 2 Forenbeiträge

Gespenstisch

01.04.2022

Demenz, dieses tragische Lebensurteil, überzeugend und dabei auch begreifbar in bewegte Bilder zu setzen, dazu sind verschiedene Ansätze denkbar bzw. hat es bereits entsprechende Beispiele (hier vorliegend auch für die Bühne) gegeben.

Zeller macht dies besonders eindringlich: Ohne jegliche Vorwarnung nämlich läßt er den Zuschauer gewissermaßen am eigenen Leib erleben, wie sich ein Demenzkranker vorkommen muß. Der Film beginnt und beiläufig nimmt man Einrichtung und Raumaufteilung von Hauptfigur Anthonys Behausung zur Kenntnis, ebenso wie erste Begegnungen mit verschiedenen Personen. Die Begegnungen wiederholen sich und plötzlich schleichen sich Ungereimtheiten ein; dieser junge Mann dort, hieß der nicht eben noch anders, jene dort, stand sie nicht in anderer Beziehung zu Anthony? Und überhaupt, da war doch vorhin eine andere Einbauküche.. oder nicht? Der Blick aus dem Fenster, da war doch vorhin was anderes zu sehen.. oder? Man runzelt die Stirn; langsam steigt Unsicherheit auf, beginnt man an den eigenen Sinneseindrücken zu zweifeln - bis man versteht.

Für seine Darstellung hat Hopkins jeden Zentimeter seines Oscars verdient gehabt. Ich persönlich brauchte am Anfang etwas, bis ich das Bild von Dr. Lecter aus meinem Kopf 'raus hatte ;), zumal er hier auch minimal in Richtung eines, nennen wir's mal, manipulativen, alten Mannes spielt. Aber danach läuft er zu Höchstform auf. Über den Lauf des Films wird er zu einem hilflosen, weinenden Kind. Schon auf dem Set hatte Hopkins' überzeugendes Spiel zu Tränen gerührt. Und ich war ganz ergriffen. Demenz ist grausam; sie zerstört den Mensch besonders perfide. Als Außenstehender kann man nicht in den Kopf des Betroffenen blicken und somit kaum begreifen, was für ein fürchterliches inneres Gefängnis der Verlust der ratio bedeutet. Eigentlich ist der Film für solche, die es witzig finden, wenn alte Menschen tatterig werden, den Kontakt zur Realität verlieren. Vielleicht regt er zu mehr Empathie an.

Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy

weitere Infos zu diesem Film | 1 Forenbeitrag

'Hält den Erwartungen leider nicht (ganz) stand

01.04.2022

Etliche Einträge in diversen Best-of-Kinomomente-Listen verweisen auf diesen Film, weswegen ich sehr neugierig, dann froh war, ihn endlich zu sehen zu bekommen.

Es ist nicht ganz klar, ob Anchorman eher eine Persiflage oder Hommage der goldenen Zeiten des US-Newsmagazin-Journalismus ist. Es ist schon alles ziemlich dick aufgetragen; von der opulenten Herrengarderobe, der passenden Haartracht dazu bis zu den zahlreichen Anzüglichkeiten, mit denen das andere Geschlecht im Job bedacht wird. Das waren wohl die Zeiten, in denen das Nachrichtengeschäft als Männersache angesehen wurde, Kolleginnen dagegen als Leichtgewichte (und Freiwild außerdem).

Ferrells Markenzeichen ist seine laute, aber glänzend vorgetragene Verbalkomik. Er ist im Herzen ein Clown. Diese spezielle Art, vor der Kamera auszuflippen, dürfte sich kaum passend synchronisieren lassen. Daher sollte man den Film gleich auf englisch schauen.

Schade, daß ihm kein schärfer geschnittenes Drehbuch zugrunde gelegt wurde. Zwar ist die Prämisse vielversprechend, dem Schürzenjäger Burgundy, abseits der Kamera unprofessionell und dem Alkohol zugetan, die neue Kollegin Corningstone, ambitioniert und mit eisernen Ellenbogen, gegenüberzustellen und ihn so in seiner ganzen Mittelmäßigkeit vorzuführen, Aber leider ist diese weibliche Hauptrolle nicht besser und auch nicht als durchgehend integer geschrieben. Für Applegate ist diese Vorgabe sicherlich ein Handicap; sie macht noch einigermaßen etwas draus.
Deswegen wollte sich bei mir hinterher kein Gefühl breitmachen, das lange Warten habe sich gelohnt.

Neue Kinofilme

Tausend Zeilen

Hier erscheint die Aufforderung!