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Es gibt 234 Beiträge von Matt513

Joker

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Einen politischen Film

15.11.2019

hatte Regisseur Phillips zwar ausdrücklich nicht beabsichtigt. Aber davon ab, auch wenn die Handlung in den frühen Achtzigern spielt; wenn er Straßenschlachten sowie die Ignoranz der herrschenden Klasse gegen den einfachen Mann in der Menge inszeniert, befindet er sich verstörend nahe am Geschehen in den aktuellen Krisenherden. Is it just me, or is it getting crazier out there? so fragt sich Arthur Fleck gleich zu Beginn.

Vor dieser Kulisse liefert Phoenix eine regelrechte Blaupause für den Werdegang eines psychopathischen Mörders. Aus schwierigen Verhältnissen stammend, vernichtende Jugenderlebnisse, geprügelt, ausgelacht, in einer immer irrwitzigeren Welt den Bezug zur Realität verlierend, in die eigene Scheinwelt geflüchtet. Phillips' Film über diesen Grenzübertritt glänzt famos im Detail.

So ist Fleck, wenn er sich täglich die steile Treppe in der Bronx hinaufschleppt, an deren oberem Ende gleichwohl alles grau ist, wie ein moderner Sisyphos. Eine Metapher für sein Bemühen, in einer Welt zu reüssieren, in der es für ihn nichts gibt. Dagegen später als er sein erbärmliches Dasein in der Clown-Agentur quittiert, um letztlich der sinistre Joker zu werden, führt sein Weg auf einer Treppe - nach *unten* und ins Licht! Wobei dieses so gleißend ist, daß man nicht weiß, ob dies noch real ist oder bereits Beleg für Flecks Abschied von der Wirklichkeit. Er, der er sein mörderisches Dasein zusehends als Komödie begreift. Ein letztes Mal sieht man ihn die steile Treppe in der Bronx hinuntergehen, nun im Kostüm des ikonischen Schurkens, und trotz der Schminke bringt Phoenix einen Gesichtsausdruck finsterer Entschlossenheit hervor. Da ist einer, der seine dunkle Bestimmung gefunden hat. Zum Frösteln beeindruckend.

Phoenix ist die Attraktion dieses Films, seine physische Transformation zu dem schwindsüchtigen Loner schmerzlich beeindruckend, dessen irres, pathologisches Kichern ein Kraftakt. Meine Erwartungen waren hier allerdings exorbitant, daher war ich am Schluß zufrieden, aber nicht so überwältigt wie erhofft. Ich hatte irgendwas erwartet, was mich schier aus dem Sessel hauen würde. Trotzdem à la bonne heure.

Angenehm, daß dies ein Stand-alone Film bleiben wird (und somit Hollywoods Saftpresse ausgeschaltet). Das war Phoenix eine Bedingung fürs Mitmachen. P.S.: Bei mir wurde übrigens auch geklatscht. Oder es war dieselbe Vorstellung.

Parasite

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Aufs Pferd geholfen

14.11.2019

Den allgemeinen Jubelarien mag ich mich leider nicht anschließen. Ich fand den Film viel zu oberflächlich, die vielen Meriten, die die Kritik ihm bereits an die Brust geheftet hat, zu wenig herausgearbeitet. Die Charaktere wirken alle wie mit der Laubsäge ausgesägt. Es findet keinerlei Entwicklung statt. Auch die durchaus vorhandenen gesellschaftskritischen Motive, etwa der Gegensatz zwischen den Familien Kim und Park, die einen bettelarm, die anderen selbstvergessen im Wohlstand schwelgend, was man als Unkundiger der dortigen Gesellschaft gerne ein wenig mehr beleuchtet bekommen hätte, oder ob jemand nett und gönnerisch nur ob seines Reichtums sein kann, liegen nur unzureichend entwickelt herum.

Nachdem sich das zu Beginn grob geschnitzte Schauspiel auf ein einigermaßen erträgliches Niveau eingepegelt hat, gelingt es Bong bis zu dem Punkt, wo die Haushälterin an der Tür klingelt, immerhin eine freche Schummelgeschichte aufzuziehen. Dann passieren soviele unglaubwürdige Dinge, auch in dem, wie sich manch einer verhält, daß man schließlich mehr abwinkt als schmunzelt. So die Sache mit dem Morse-Code; jener, der ihn sendet, woher will er wissen, daß ihn jemand anders lesen wird? Am Schluß habe ich nur noch auf den Abspann gewartet.

Tut mir leid, aber ich habe mittlerweile folgenden Eindruck: Ein 'Film der Woche' wird so etikettiert, weil er a) unbestreitbar herausragt, b) es sich um den neuen Tarantino (Jarmusch, von Trier, Anderson, Almodóvar etc.) handelt ODER c) weil er so seltsam ist, daß man in Sorge um das Einspielergebnis meint, ihm ein wenig 'aufs Pferd helfen' zu müssen. Diesen hier sehe ich in der letzten Kategorie.

Ad Astra – Zu den Sternen

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Doubt in Space

14.11.2019

Auch wenn es spektakulär ins tiefe Weltall geht (und dies von den üblichen, an Kubrick gemahnenden Bildern begleitet wird), im Kern dreht sich der Film um den menschlichen Selbstzweifel. Für das Genre eine unerwartete, gleichwohl interessante Facette.

Roy, Offizier und Astronaut, könnte eigentlich stolz auf sein Erreichtes sein, stellt sich jedoch ständig infrage, fühlt sich kaum. Bald wird klar, wo die Gründe dafür liegen. Der eigene Vater, Astronauten-Legende und visionärer Erforscher des Weltraums, blickte verächtlich auf die eigenen Angehörigen, die ihm kleingeistig vorkamen. Dieses Trauma der übermächtigen, abweisenden Vaterfigur ist Roys Begleiter auf einer aus den Fugen geratenden Odyssee an den Rand des Sonnensystems, wo -neben dem Missionsziel- die Chance auf Befreiung davon wartet. Und wer hätte das gedacht, mit seinen Zweifeln an sich selbst ist Roy auf der Reise nicht allein.

Hauptdarsteller Pitt, der sich im Spätsommer seiner Karriere längst vom Sexsymbol/Enfant terrible zum Charakterdarsteller entwickelt hat, steht die selbstreflektierende Rolle alleine schon aufgrund seiner Lebenssituation gut zu Gesicht. Den beständig nagenden Zweifel transportiert er mit zurückgenommenem Schauspiel; siehe auch sein gesenktes Haupt auf einem der Kinoplakate. Das Drehbuch leistet sich zwar einige Stolperer. So war die Episode mit den Piraten mMn fragwürdig und wie Roy zu seinem Anschlußflug kommt, mehr als hanebüchen. Aber durch den Zirkelschluß; Roys Monolog, den er einmal dienstlich als Astronaut, danach aber nochmal als nun empathische Privatperson spricht, wodurch sich Ton und Bedeutung komplett verschieben, bekommt der Film letztlich eine zufriedenstellende Punktlandung hin.

Nimm Dich selbst so an, wie Du bist, so könnte man die versöhnliche Botschaft formulieren. Außerdem, daß Pitt auch Science-fiction kann. Und Leute, solltet Ihr jemals zum Mond fliegen, verzichtet bloß auf die Zubuchung von Kopfkissen und Zudecke im Shuttle. Das wird dann nämlich richtig teuer ;).

Apollo 11

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Burn for the moon

21.07.2019

Kinders, wie die Zeit vergeht. Auf den Tag vor 50 Jahren stellte Neil Armstrong seine Füße auf den Erdtrabanten sowie die Weichen für ein neues Kapitel in der Geschichte der Weltraumfahrt. Seine berühmten Worte dabei wurden eine Popikone (der ihm zugeschriebene Satz: "Good luck, Mr. Gorsky" dagegen war vermutlich nichts als Legende).

Millers Collage aus bisher unveröffentlichten Aufnahmen kann man einfach nur als atemberaubend beschreiben. Dazu trägt auch der gewaltige Sound bei, der einen von der ersten Minute an in seinen Bann schlägt, wenn der titanische Crawler mit der vollausgerüsteten Saturn-Rakete oben drauf durchs Bild rasselt. Nachdem der Start die Erde beben ließ, holt das Raumschiff im Orbit um die Erde Schwung und zündet die Triebwerke erneut für den langen Flug durchs All. Burn for the moon, so das Protokoll.

A propos, von Kennedys entflammender Rede an die Nation über die technische Realisierung (thanks, Mr. von Braun) bis zum minutiös durchgeplanten Programmablauf flößt das ganze Unternehmen einem größten Respekt ein. So sieht das aus, wenn man sich für herausfordernde Ziele begeistert, anstelle einfach bloß in den Tag hinein zu regieren.

Obschon aus lauter historischem Material entstanden, ist Millers Film nach heutigem Empfinden geradezu zeitgemäß. Denn sein Film stellt die Menschen hinter der recht technikaffinen Geschichte in den Vordergrund, all ihre Mimiken und Emotionen, was Apollo 11 eine überaus menschliche Komponente verleiht und was den bisher allseits bekannten Bildern vielleicht etwas abgeht.

Das Geheimnis der grünen Stecknadel

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Blacky in Gelb

01.07.2019

Zum Glück nur wenig gemein hat dieser Giallo mit dem Kintopp sonstiger Edgar-Wallace-Verfilmungen, die mir allesamt zu hausbacken daherkommen. Voyeuristische Momente sind neben den übrigen Genre-Zutaten das, was sich wie ein Bandwurm durch die Handlung zieht. Seien es reichlich Ansichten weiblicher Intimbereiche, durch welche die Spanner im Film wie auch im Kinosaal damals sicherlich auf ihre Kosten kamen (dagegen kann ich glaubhaft versichern, die Vorstellung nur aus rein cineastischem Interesse besucht zu haben; bitte, was dachten Sie denn?) oder solche langer Messer, welche ausgerechnet in ebenjenen Intimbereichen versenkt werden (autsch).

Das Gesellschaftsbild, welches der Film vermittelt; damals in den 70ern, als Männer noch richtige Machos und Frauen noch richtige, beständig Miniröckchen tragende Dummchen waren, ist so plump, daß man nicht weiß, ob man ungläubig lachen oder den Kopf schütteln soll. Neben der brauchbaren Kinematographie und dem Fiat Sport Coupé in british green mit Rechtslenkung(!!) gefiel Morricones stilechter 70er Jahre-Soundtrack. Blackys Auflösungs-Monolog kurz vor Schluß rettete meinen Abend. Ohne wäre ich doch mit reichlich Fragezeichen nach Hause gegangen, woran manche Plausibilitätslücke ihren Anteil gehabt hätte.

'Hatte vermutlich nie eine Chance auf einen Oscar, aber ließ sich doch recht gut anschauen. Es hält sich das Gerücht, Nicolas Winding Refn plane eine Neuverfilmung (das würde gut. Und blutig). 'Denke, beim nächsten Mal bin ich wieder dabei. Nur rein aus cineastischem Interesse, versteht sich.

High Life

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Saure-Gurken-Zeit

20.06.2019

OK, 'hab ich mich von den positiven Bewertungen im Rundblick überzeugen lassen, in den Film zu gehen. Immerhin, er taucht außerdem auch auf einer Liste der bis dato besten Filme von 2019 auf.

Denis' Werk, man darf es gewiß 'ambitioniert' nennen, hätte es nicht verdient, verrissen zu werden. Das Ensemble ist toll; man sieht, es ist ein Herzensprojekt. Andererseits, ein Muß im Kinokalender ist es auch nicht, fürwahr.

Was Denis hier ausdrücken möchte, ist schlichtweg zu wenig prägnant. Es fehlte ein roter Faden oder überhaupt eine stärkere Idee. So bleiben es ein paar Gedankenspiele in der einsamen Laborumgebung des tiefen Weltalls.

Der Vergleich mit Alien, siehe Filmkritik, verbietet sich. Dessen Sujet ist derart auf den Punkt, dazu eingebettet in die klaustrophobische Kulisse der Nostromo, was man alles hier nicht in Ansätzen wiederfindet. Ganz im Gegenteil, Denis' Kulisse ist mehr speckiger Gebäudetrakt denn Raumschiff, was sie zwar extra so haben wollte, aber lange Zeit die Illusion von Abgeschiedenheit im Weltraum behindert. Auch ist bedauerlich, daß manch 'ambitionierter' Film der Gegenwart mangelnde Fokussiertheit dadurch zu kompensieren sucht, indem die Aufmerksamkeit auf Darstellung blutiger Gewalt sowie nackter Menschenleiber gelenkt wird. So ja auch hier.

Wenn ich mir einige der letzten Reviews durchlese sowie daran denke, daß der neue Jarmusch ja auch nicht gerade der Kracher sein soll, würde ich mal sagen, Saure-Gurken-Zeit im Moment.

Rocketman

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The Greatest Showman

04.06.2019

Ist das hier nun die ehrlichere Biographie eines schillernden Musikers? Vor dem Hintergrund, daß Elton John selbst mitproduziert hat, sollte man ja davon ausgehen können, die ganzen dargestellten Wirrungen in der Familie bzw. der ganze Schmutz im Showbiz sei ihm tatsächlich so widerfahren.

Regisseur Fletcher bekam offenbar Carte blanche und setzt diese künstlerische Freiheit weidlich um. Im Ergebnis ist das dann letztlich ein Musical, fängt zwar all den Pomp in Elton Johns künstlerischem Werk (sowie den Rotz in seinem Privatleben) gekonnt ein, ist allerdings auch reichlich plakativ. Mir fehlten hier die leiseren Töne oder z.B. auch, wie sich Elton Johns Homosexualität ergab bzw. wie seine schwierige Jugend ihn prägte. Da gab es wohl durchaus initialisierende Momente; im Film ist er halt plötzlich schwul. Was das Fehlen dieser Momente angeht, dazu muß auch ein Wort über Taron Egerton verloren werden. Er arbeitet sich zwar großartig an der Aufgabe ab, singt sogar selbst, aber lag das jetzt am Drehbuch oder doch an seinen schauspielerischen Fähigkeiten, daß ich stets Egerton in bunten Kostümen, aber nie Elton John sah? Egerton ist ein prima Schauspieler, aber zum überzeugenden Charaktermimen ist es für ihn noch ein Stück hin.

'Immerhin interessant aus dem Film zu erfahren, daß Songtexter Bernie Taupin eine Hälfte des jahrzehntelangen Erfolgs zu verdanken war, wo ich immer annahm, Elton John habe all seine famosen Songs komplett alleine geschrieben. Der Film ist jederzeit sein Eintrittsgeld wert, selbst wenn man die Musik eher nur aus dem Radio kennt.

Stan & Ollie

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Nicht bloß Dick und Doof

02.06.2019

Diesen Film hatte ich mit großer Vorfreude erwartet, ihn mir in etwa auch so vorgestellt und wurde dann auch nicht enttäuscht. Die Episode aus der Spätphase der gemeinsamen Karriere von Laurel und Hardy ist wunderbar leise und einfühlsam erzählt.

Es wäre so einfach gewesen, einen Film platt aus nachgespielten Klamauk-Standards zusammenzubasteln; immerhin, auf die unsterbliche Szene aus The Music Box (Kiste, Treppe!) muß man nicht verzichten. Baird beläßt es im wesentlichen dabei. Stattdessen zeichnet er die beiden Leinwand-Legenden als ältere, würdige Herren, die abseits der Kulisse mit allerlei zu ringen haben; dem Herbst der Karriere etwa sowie diversen Lebensumständen (Studiobosse, Alkohol, Ehefrauen sowie, ja, das Alter betreffend), die von der Gesundheit ihren Tribut gefordert haben. Diese recht menschliche Perspektive zählt zu den Stärken des Films. Etwas ähnliches ist von den beiden im Spielfilmformat vielleicht noch nicht zu sehen gewesen.

Mit Reilly und Coogan ist der Film in jeder Hinsicht gesegnet. Zunächst mal trifft es sich nett, daß der Engländer Coogan mit Laurel seinen Landsmann spielt, sowie analog der Amerikaner Reilly mit Hardy den seinen. Dann läßt alleine die Maske die beiden komplett hinter die dargestellten Ikonen zurücktreten. Coogan und Reilly selbst bieten genügend schauspielerische Finesse auf, um die Charaktere wie auch die sehr menschliche Geschichte mit Leben zu erfüllen. 'Hat mir sehr gut gefallen, und daß z.B. Coogan seinen Laurel gut gelernt hat, ist bei der Szene mit dem hartgekochten Ei herrlich zu sehen. Man könnte einen Schritt weiter gehen und sagen, auf einer anderen Ebene sei das ja auch ein Film über das Älterwerden. Aber auch bei rein vordergründiger Betrachtung ein sehr schön gemachtes, amüsantes Werk.

Black Panther

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Gut gedacht, schlecht gemacht

17.04.2019

Meiner Kenntnis nach legt Coogler hier den ersten „All-black“ Superheldenfilm des Marvel-Universums vor, dessen Handlung dann konsequenterweise in einem fiktiven Königreich Afrikas spielt. Der Film dreht in jeder Hinsicht das große Rad. Nahezu alles, was Hollywood an afroamerikanischen Darstellern –arriviert oder im Kommen- aktuell aufbieten könnte, ist in einem schier unüberschaubaren Ensemble zu sehen und auch die Computertricks stehen Vergleichbarem in nichts nach. Ein Film wie dieser dürfte der Emanzipation afroamerikanischer Filmschaffender der vergangenen Jahre geschuldet sein. Das Umdenken, zu dem diese die alten, weißen Männer Hollywoods bewegt hat, ist an reichlich Preisen und Nominierungen ablesbar.

Schön wäre dann gewesen, wenn Coogler hier dem filmischen Diktat hätte entsagen können, für das die Branche notorisch ist. Bzw. im Einklang mit dem unkonventionellen Sujet einen wirklich originären Blockbuster abseits des ausgetretenen Pfades schaffen, welchen frühere Vergleichswerke hinterlassen haben. Das ging mit Disney wohl der enormen Produktionskosten wegen nicht. Also werden in punkto Stilmittel auch hier wieder ‚die üblichen Verdächtigen‘ bemüht. Trotzdem in Afrika angesiedelt, laufen alle in hipper, bunter Garderobe herum, zaubert z.B. die Schwester der Hauptperson in einem High-end-Technologie-Labor, das so auch in jedem anderen Marvel-Film hätte zu sehen sein können. Im Intro erfuhr man, das Königreich sei auf einem gigantischen Vorkommen eines seltenen Elements (mit dem etwas schlüpfrigen Namen Vibranium) gegründet, welches für die enorme technische Evolution gesorgt hätte. OK, aber wenn man sich nun schon solche Freiheit für den Rahmen der Handlung nimmt, warum muß dann hinten wieder die übliche, chromblitzende Technologieverliebtheit `rauskommen, die mittlerweile jedem Werk dieses Universums anhaftet wie ein ungeliebter zweiter Vorname? Warum kann man mit Hilfe von Vibranium nicht z.B. die Kraft wilder Tiere annehmen, mit diesen sprechen oder überhaupt natürlich anmutende Wunderdinge vollbringen? Oder warum nicht Voodoo auf Superheldenniveau, wenn es dann schon mal einer aus Afrika ist? Also irgendwas, wofür die hier portraitierte Stammesgesellschaft Afrikas bekannt ist? Mir fehlte hier einfach die Glaubwürdigkeit des gezeigten Ortes.

Gewissermaßen mit umgekehrten Vorzeichen begeht Coogler einen weiteren Fauxpas. Im Original läßt er seine Figuren in Afrika ein scheußliches Englisch mit afrikanischem Akzent sprechen. Also, wenn man eine isolierte Hochkultur abseits der westlichen Zivilisation glaubhaft darstellen wollte, dann bitte konsequent sein und eine fremde, native Sprache SOWIE UNTERTITEL verwenden. Oder es bleiben bzw. die Darsteller halt sauberes Englisch sprechen lassen. Aber so wie hier erlebt, wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf etwas gelenkt, was Film und Handlung nicht voranbringt; `bekommt man nämlich auf dem Umweg der dürftigen Aussprache das Klischee des ungebildeten Afrikaners übergestülpt. Und das kann bei seinen eigenen, ethnischen Wurzeln kaum Cooglers Anliegen gewesen sein.

Can You Ever Forgive Me?

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Hat sich gelohnt

07.03.2019

Hatte ich erst nach Empfehlung einer Bekannten auf dem Schirm, gleichwohl ich schon wußte, daß beide Hauptrollen für Oscars nominiert waren, was ja schon mal als Qualitätshinweis gelten kann. Neben McCarthy als Lee Israel, die hier nach Haha-Rollen wie in Bridesmaids schauspielerisches Neuland mit Bravour betritt, gefällt besonders Richard E. Grant als bunt schillernder Vogel Jack. Sehr gute Leistungen und übrigens auch eine sehr gute Maske über den Verlauf des Films.

Bei aller Nähe zu Catch me if you can fand ich aber, daß Hellers Film auch so ein klein wenig eine stille Hommage an New York ist. Diese aus der Ferne riesenhaft erscheinende Stadt wird erst in der Nahperspektive, durch ihr Gewimmel unzähliger Small Businesses so unwiderstehlich. Es sind diese dutzenden Book Stores, Bars und Delis, die die Bühne für Hellers kleine Geschichte stellen, dazu immer mal wieder Ansichten der Hängebrücken über den East River, ähnlich wie in Allens Manhattan.

Eine moralische Aufarbeitung von Israels sicherlich diskutabler Tat leistet der Film übrigens nicht, auch wenn ihr Motiv -zumindest dort auf der Leinwand- verständlich ist. Für sie ging es nach dem Verlust ihres Jobs ums schiere finanzielle Überleben in dieser megateuren Metropole. Und vermutlich deshalb konnte ihre Geschichte auch nur dort funktionieren, wo es gutsituierte Sammler gibt, die für ein paar vergilbte Papierstücke irrwitzige Summen hinblättern.

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