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Die Frau vom Meer
Foto: klmmr

Wo beginnt das Fremde?

Die neue Spielzeit am FFT Düsseldorf mit „Die Frau vom Meer“ von Marlin de Haan & Team

„Vergiss, was du weißt: Zwei Straßen weiter liegt die Fremde.“ So verheißungsvoll klingt es, wenn Marlin de Haan & Team in den Düsseldorfer Stadtraum ziehen. Die Düsseldorfer Regisseurin und Bildhauerin nutzt theaterfremde Orte als Bühne und Zuschauerraum und spielt mit den Konventionen von Kunstdisziplinen. Zwei Jahre nach ihrem „Kirschgarten“ auf der Kiefernstraße, einer theatralen Auseinandersetzung mit Wohnraum und Nostalgie, Gentrifizierung und Immobilienblase, feiert sie mit „Die Frau vom Meer“ am 24. September erneut Premiere am FFT Düsseldorf. Wo genau gespielt wird? Das wird erst kurz vor der Premiere bekanntgegeben. Mitten in Düsseldorf wird es sein, unter freiem Himmel – an einem Ort mit Aussichten.

Dort widmen sich Marlin de Haan & Team Henrik Ibsens Bühnenklassiker „Die Frau vom Meer“. Ihre erste Tat: sie verpflanzen seine Figur Ellida an den Rhein. Ellida ist Ehepartnerin, Ex-Geliebte, Stiefmutter, Frau - und voller Sehnsucht. Nach dem Meer, dem Grauenvollen, nach einer Aussicht. Danach, endlich anzukommen. „Wer oder was bewegt uns zum Bleiben? Wie lebt es sich mit und in der Fremde zusammen? Wie nah wollen wir uns kommen? Wir hinterfragen Codes, Rituale, Gewohnheiten und Identitäten von Stadt, Mensch, Theater“, erklärt Marlin de Haan die Arbeitsweise ihres Teams. Sie recherchieren zu Stadtgeschichte und Stadtentwicklung, erforschen die urbane Landschaft und die Menschen, die hier wohnen, agieren und mitgestalten. „Wer will ich sein und wer kann ich sein? Wieviel davon entscheide ich selbst? Was wurde mir auf Grund von Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Religion, Verhalten, Sehnsüchten, sexueller Orientierung, Geschlecht zugeschrieben?“ Das Publikum beziehen sie in ihre Überlegungen von Beginn an ein. Seit einigen Monaten verweisen im Stadtraum plakatierte Fragen auf das Projekt: Glaubst du, du hast die Wahl? Wo beginnt das Fremde? Bist du freiwillig hier? Würdest du diesen Ort teilen? Wann hat die Flucht ein Ende? Was fehlt hier?

Auf der Website klmmr.org, der digitalen Heimat des Teams, das laut eigener Aussage derzeit im „Aktionsbüro für vorläufige Identitäten“ arbeitet, wartet ein Fragebogen darauf, beantwortet zu werden. So entsteht der halb-dokumentarische Stücktext, lose auf Ibsens literarischer Vorlage basierend, in Kollaboration mit unzähligen bekannten und unbekannten Interviewpartner*innen: Arbeitsprozess und Theaterabend als eine gemeinsame Entwicklung mit dem Publikum. „Wir möchten in einen Dialog mit unserem Publikum treten. Wir wollen direkte Begegnungen,“ sagt Marlin de Haan. „Wir partizipieren, intervenieren und interagieren. Wir spielen mit den Möglichkeiten und Grenzen von Darstellungs- und Erzählformen. Wir sehen Theater als Plattform für gemeinsame Aktionen im Stadtraum, als eine temporäre Interaktion von Ort, Anliegen und Publikum, um gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.“

Aus diesem Gedanken heraus ist auch die folgende Aktion und Aufforderung entstanden: „Urlaub in Düsseldorf? Sende Grüße aus der Fremde!“ Unter heimatsommer.klmmr.org lässt sich mit wenigen Klicks eine limitierte Postkartenedition mit ungewöhnlichen Düsseldorfer Motiven bestellen – vollkommen kostenlos. Die einzige Bedingung: Man sendet dem Team um Marlin de Haan eine der drei Postkarten mit persönlichen Grüßen aus der Fremde zurück. Als Dank winkt eine Antwort mit Neuigkeiten aus den Proben.

Und wer noch tiefer in den Kosmos der „Frau vom Meer“ eintauchen möchte, der folgt @hilde_wangel auf Instagram: Unter dem Namen von Henrik Ibsens Lieblingsfigur verweben sich Eindrücke aus den Proben mit einem ersten Erzählstrang - so verortet sich die Inszenierung endgültig im Spannungsfeld von Alltag, Kunst und digitalem Raum.

Das FFT Düsseldorf zeigt „Die Frau vom Meer“ von Marlin de Haan & Team vom 24. bis 27 .09. und 1. bis 4. 10. 2020 jeweils um 18 Uhr an einem temporären Theaterort in Düsseldorf. Der Treffpunkt wird noch bekanntgegeben.

Marlin de Haan
Die Frau vom Meer

Regie/Raumkonzept/Projektleitung: Marlin de Haan
mit Hicran Demir, Ismail Deniz, Saskia Rudat
Text/Dramaturgie/Instagram: Charlotte von Bausznern
Szenenbild: Alexander Wunderlich
Musik: Carmen Brown, Raphael Landauer, Rolf Springer
Sound: Fabian Schulz und Florian Zeeh
Kostüm: Jenny Theisen
Kommunikation/Marketing/Grafik: Laura Jil Beyer
Produktionsmanagement: Carina Graf
Technische Projektleitung: Malte Lehmann
Regie- und Dramaturgieassistenz: Laura Biewald

Produktion: Marlin de Haan
Koproduktion:
FFT Düsseldorf
Kooperation:
zakk – Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation, Düsseldorf

gefördert durch: Kunststiftung NRW, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Stiftung van Meeteren

Termine: 24.-27. 9. & 1.-4. 10. - jeweils 18.00 Uhr an einem temporären Theaterort in Düsseldorf - Der Treffpunkt wird noch bekanntgegeben.

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