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Eva Beuys-Wurmbach, Nähtisch und Ölofen und Werke von Joseph Beuys im Raum Drakeplatz 4, 1962, s/w-Foto
© Eva Beuys und Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn

Privat und öffentlich

Fotografien von Eva Wurmbach-Beuys im Museum Moyland

Es ist höchste Zeit, auf diese Ausstellung und das dazu bei Lothar Schirmer erschienene Buch hinzuweisen. Aber die Sensation ist, dass es diese Fotografien gibt. Sie zeigen das Wohnatelier von Joseph Beuys am Drakeplatz in Düsseldorf-Oberkassel in Aufnahmen von 1961 bis 1975, also seit dem Jahr, in dem er Profes­sor an der Düsseldorfer Kunstakademie wurde und mit seiner Frau und dem kleinen Sohn hier einzog.
Eva Wurmbach hatte ihren künftigen Mann im Lehramts-Studium an der Kunst­akademie am Eiskellerberg kennengelernt; 1959 hat das Paar geheiratet. Seit dem Tod von Joseph Beuys (1921-1986) verwaltet sie mit ihren Kindern den Nach­­lass, die Fotografien hat sie erst 2018 als Portfolio publiziert. Der Ort der Aufnahmen ist überwiegend das einzige, hohe Zimmer am Drakeplatz 4 mit den Lichtöffnungen zum Hof. Die s/w-Fotografien, die Eva Beuys mit der Großformat-Plattenkamera aufgenommen hat, sind sachlich, der Blick liegt unaufdringlich auf den Dingen, er fängt die Umgebung ein, fokussiert aber auch einzelne plastische Arrangements. Eine gewisse Selbstverständlichkeit kennzeichnet die Atmo­­­­sphäre auch dann, wenn gar nichts selbstverständlich ist und die Utensilien späterer Kunstwerke im Status des Nachdenkens herumliegen. Und dann macht sich doch das Leben in der Familie in den frühen Jahrzehnten der Bundesrepublik breit, und das ist das Schöne daran, dass es immer auch um den Alltag geht. Natürlich sind die Bilder Dokumente und Zeugnisse zum großen Joseph Beuys. Sie vermitteln Informa­tionen über die Strukturen seiner Arbeiten, auch wenn Beuys selbst auf keiner der Fotografien auftaucht. Darüber hinaus zeigen sie die Symbiose von Leben und Kunst, die Beuys so wichtig war. Als fotografische Bilder kommen sie ganz einfach daher und sind doch geheimnisvoll und auf diskrete Weise persönlich.

Die Landesstiftung Museum Schloss Moyland am Niederrhein – also dort, wo Beuys zeitweilig lebte und arbeitete – verfügt über den weltweit größten Be­­stand an Werken von Joseph Beuys, basierend auf dem Material, das Franz Joseph und Hans van der Grinten als Sammler, Ausstellungsmacher und Freun­de von Beuys zusammentragen konnten. Im Museum ist zudem ein Archiv eingerichtet, auch wird ein Preis für Forschungen zu Beuys verliehen. Lange Zeit war das Verhältnis zwischen dem Museum und der Familie Beuys angespannt, Streitpunkt war u.a. der Umgang mit fotografischen Stills aus den Aktionen von Beuys. Im vergangenen Jahr konnte das Museum nun das Portfolio erwerben und vielleicht leitet dies eine Wandlung der Beziehungen ein. Zu wünschen wäre es.

Beuys. Düsseldorf-Oberkassel, Drakeplatz 4, Fotografien von Eva Beuys,
noch bis 25. August im Museum Schloss Moyland,
Am Schloss 4 in Bedburg-Hau, www.moyland.de

TH

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