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Isa Genzken, Hier und Jetzt, Installationsansicht Düsseldorf, courtesy die Künstlerin und Galerie Buchholz, © Künstlerin, Kunstsammlung NRW 2021
Foto: Achim Kukulies

Mit der Zeit

Isa Genzken in K21

Isa Genzken gehört zu den herausragenden Künstler*innen über Deutschland hinaus, und das seit Jahrzehnten. Ihre Werke besitzen etwas Irritierendes, weil sie wie aus der Welt gefallen scheinen (besonders die frühen Beiträge) oder im direkten Zugriff auf Ready-mades unsere Konsumwelt reflektieren (die jüngeren Beiträge). Vielleicht ließe sich sagen, dass sich Isa Genzken (*1948 in Bad Oldesloe) beharrlich und mit langem Atem an unserer Zivilisation, deren Attraktionen und Strukturen abarbeitet und sie in rigider Konzentrierung in Formkonstellationen übersetzt. Dazu bieten ihre Werke einen sinnlich ästhetischen Zugang, arbeiten mit der Haptik von Oberflächen, eleganten Formu­lierungen und sogar Glamour. Gewiss ist schade, dass die Ausstellung in K21 nicht das gesamte Werk exemplarisch zeigt. Aber Isa Genzken ist für die ultimative Retrospektive zu vital. Und in der Dramaturgie im Ständehaus, das Werk von 1973 bis 1983 getrennt von den neueren Werke zu zeigen, erschließen sich erst recht die formalen Konstanten und wesentliche durchgehende Intentionen.

Neben plastischen Arbeiten sind in Düsseldorf Fotografien, Videos und Soundarbeiten, Computerdrucke und Skizzen, auch Zeichnungen ausgestellt, die noch verdeutlichen, wie sensibel und präzise Genzken ihre Themen und Anliegen umkreist. Grandios sind ihre frühen Werkgruppen der Ellipsoide und Hyperbolos, die teils mehrere Meter langen langgestreckten Konstruktionen, bei denen verschiedene konstruktive Elemente in unterschiedlichen Farben ineinander gesetzt sind. Um die Ecke hängen die Fotografien von Blas­instru­menten, die assoziative Bezüge aufweisen. Genzkens Werke kennzeichnet ein Gespür für Zusammenhänge und Referenzen; inspirierend ist im frühen Werk, neben Minimalismus und Konzeptkunst, ein USA-Aufenthalt, der zu einem Videofilm und kleinformatigen Fotografien der urbanen Befindlichkeit führt. Dieser Teil der Ausstellung schließt mit der Werkgruppe der „Welt­empfänger“: Betonblöcken, aus denen eine Radioantenne ragt – eine Kühnheit, die den Beton sozusagen zum Resonanzraum der Zivilisation werden lässt und hier auf die Präsentation zwei Stockwerke darüber hinweist. Dort sind lebensgroße Figuren und Figurengruppen ausgestellt, bei denen es sich um Schau­fensterpuppen handelt, die miteinander agieren und dabei skulptural und in ihrer Kleidung und den Farben aufeinander bezogen sind. Von der Jetzt-Zeit ausgehend wird die Anfangszeit weiter verständlich – und wirft neue Überlegungen auf. Spektakulär und inspirierend!

Isa Genzken, bis 5. September in K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ständehausstraße 1 in Düsseldorf, www.kunstsammlung.de

TH

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