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Driss Ouadahi, Mauerwerk, 2021, Wandzeichnung Museum Ratingen, © Künstler, Museum Ratingen
Foto: Dejan Saric

Gelebtes Wohnen

„Der Traum vom Wohnen“ im Museum Ratingen

Angesichts von Bevölkerungswachstum, Landflucht und Gentrifizierung und einem weiten Spektrum an Vorstellungen über das Leben in der Zukunft ist das Thema der Ausstellung im Museum Ratingen hochbrisant. Es ist in der Formel „Der Traum vom Wohnen“ zusammengefasst, wobei das, was die sechs Künstler*innen überwiegend aus Düsseldorf vor Augen führen, fast immer eine triste Realität ist. Sie zeigen nicht, wovon, sondern warum geträumt wird. Zwar blitzt in der Malerei von Driss Ouadahi eine glühende Helligkeit auf, aber sie befindet sich als ferne Realität hinter verlassenen Rohbauten. Ausgehend von urbanen Szenen, die er in den Banlieus in Paris und Algier gesehen hat, thematisiert Ouadahi die kritische städtebauliche Situation in diesen gesellschaftlichen Schmelztiegeln, in denen der Rück­zugsraum fehlt. Im Museum hat der deutsch-algerische Künstler außerdem eine Wandzeichnung angefertigt, die sich auf die sogenannten Papa­geien­häuser in Ratingen-West bezieht und Fragen der Gestaltung von Wohnraum aufwirft – einer der markanten Beiträge zusammen mit der „Zeltkapsel“ von Ulrike Kessl und dem Puppenhaus von Mathias Antlfinger und Ute Hörner, welches das solidarische Zusammenleben mit Papageien beschreibt. Kessls „Zeltkapsel“ besteht aus zwei zusammengenähten Campingzelten, die in Blau­­­­tönen über den Köpfen hängen. Im ersten Moment lassen sie mit Ferien assoziieren, dann kommen einem die Flüchtlingslager in den Sinn, die als Übergang zu einem besseren Leben gedacht sind. Selbst diese Zelte sind unzugänglich, und indem sie noch verschlossen sind, erinnern sie auf einer anderen Ebene an die Lebenssituation im Lockdown. Veronika Peddinghaus beschäftigt sich in ihren ausgestellten fotografischen Serien mit unterschwelligen Gefühlen, kollektiver Geschichte und persönlicher Erinnerung. Das Medium der Fotografie mit seinem Anspruch auf Objektivität wird bei ihr zum Resonanzraum innerer Wahrnehmung. Schon im Videoraum im Erdge­schoss ist ein Video von Neringa Naujokaite zu sehen, das sie in der chinesischen Millionenstadt Chongqing gedreht hat, in der die Bewohner erbärmlichen Umständen in ihren Wohnzellen ausgesetzt sind: „Die Bilder der Stadt stehen hier symbolhaft für Sehnsucht, Perspektive, Horizont und Heimat“, sagt Naujokaite (Kat.). Der Blick – auch ihrer Fotoserien – bleibt auf der Architektur liegen. Vielleicht könnte man überhaupt sagen, dass diese mit dem Wohnen zugleich das Leitthema der Ausstellung ist: als Hülle, die zwischen dem Außen und Innen vermittelt, Urbanität und Privatheit zu bedenken hat. Es ist sehr viel, was diese Ausstellung anspricht.

Der Traum vom Wohnen, bis 1. November im Museum Ratingen, Grabenstraße 21, www.museum-ratingen.de

TH

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