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Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon
USA, Schweiz, Deutschland 2013, Laufzeit: 111 Min., FSK 12
Regie: Bille August
Darsteller: Jeremy Irons, Bruno Ganz, Lena Olin, Jack Huston, Mélanie Laurent, August Diehl, Christopher Lee
>> nachtzug-nach-lissabon.de

Regisseur Bille August stellte auf der Berlinale mit „Nachtzug nach Lissabon“ seine lang erwartete Adaption des Bestsellers von Pascal Mercier vor. Darin verlässt ein Lehrer durch die Lektüre eines Buches die gewohnten Pfade seines Lebens und entdeckt durch die Lebensgeschichte eines portugiesischen Freiheitskämpfers auch unausgeschöpftes Potential in sich selbst.

Der Berner Lateinlehrer Raimund Gregorius ist auf dem Weg zur Schule, als er auf einer Brücke eine Frau vom Sprung in die Fluten abhalten kann. Gregorius nimmt die junge Frau mit in seinen Unterricht. Doch nach einiger Zeit macht sie sich davon, zurück bleibt nur ihr roter Mantel. Als er später in der Tasche des Mantels ein Buch des portugiesischen Dichters und Arztes Amadeu de Prado und eine Fahrkarte für den Nachtzug nach Lissabon findet, macht er sich auf zum Bahnhof, in der Hoffnung die geheimnisvolle Unbekannte dort wieder zu treffen. Als er sie nicht findet, steigt Gregorius in den Zug, denn schon wenige Zeilen der Lektüre des Buches über die Lebensgeschichte des portugiesischen Freiheitskämpfers haben ihn derart in den Bann geschlagen, dass er mehr über ihn erfahren und diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen will. Zumal der Roman Fragen stellt über die Bestimmung menschlichen Handelns, die ihn selbst schon eine Weile beschäftigen.

In Lissabon angekommen, folgt er den Spuren des seit 30 Jahren verstorbenen Dichters, er besucht dessen Ehefrau, treibt Menschen auf, die ihn kannten und gerät immer mehr in den Sog einer Lebensgeschichte, die so viel aufregender zu sein scheint als seine eigene. Gregorius beginnt zu ahnen, dass auch sein Leben mehr Potential geboten hätte und seine Reise nach Portugal wird mehr und mehr zu einer inneren Reise zu sich selbst.

Während die Rahmenhandlung zu Beginn im Gegensatz zum Roman extrem komprimiert dargestellt wird, was zu einigen Ungereimtheiten führt, gönnt Bille August der fiktiven Lebensgeschichte des Arztes, Philosophen und Widerstandskämpfers de Prado mehr Zeit und lässt so vor den Augen des Zuschauers die hierzulande weniger bekannte Historie der portugiesischen Résistance rund um die Nelkenrevolution 1974 wieder auferstehen. Dabei bietet das in Rückblenden erzählte Leben de Prados alles, was einen spannenden Film ausmacht: Konflikte mit dem systemtreuen Vater, mit dem Zwiespalt von ärztlichem Ethos und Widerstandskampf, kombiniert mit einer leidenschaftlichen ‚ménage à trois’ zwischen de Prado, seinem besten Freund Jorge und der ebenso schönen, wie klugen Widerstandskämpferin Estefania. Dabei steht Bille August ein bis in die Nebenrollen hinein beeindruckendes Schauspieler-Ensemble zur Verfügung, allen voran der mit großer Präsenz aufspielende Jeremy Irons, der sich vom einsamen Bücherwurm zum kontaktfreudigen Erkunder fremden Lebens entwickelt und so selbst wieder ins Leben zurückgeholt wird.

(Anne Wotschke - biograph)

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