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Die Liebenden - Von der Last, glücklich zu sein

Die Liebenden - Von der Last, glücklich zu sein
Frankreich, Großbritannien, Tschechien 2011, Laufzeit: 135 Min., FSK 12
Regie: Christophe Honoré
Darsteller: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Louis Garrel, Milos Forman, Paul Schneider
>> www.dieliebenden.senator.de

Zuletzt bezauberte uns Regisseur Christoph Honoré mit seinem charmanten „Chanson der Liebe“ im besten Nouvelle Vague-Stil, in dem die beiden talentierten Schauspieler Ludivine Sagnier und Louis Garrel erneut ihr Können bewiesen. In seinem neuen Werk „Die Liebenden“ setzt er noch einen drauf und ergänzt das bewährte Duo Sagnier/Garrel durch Schauspiel-Ikone Catherine Deneuve und Tochter Chiara Mastroianni, die hier erstmals in gemeinsamen Szenen in einem Film auftreten. Als Mutter und Tochter durchleben sie alle Höhen und Tiefen der Liebe und laufen dabei zu Hochform auf, wobei sich die Handlung vom Paris der sechziger Jahre bis ins neue Jahrtausend spannt.

Ludivine Sagnier übernimmt zu Beginn des Films die Rolle der jungen Deneuve, die die Schuhverkäuferin Madeleine verkörpert. Nach Ladenschluss verwirklicht sie sich einen Traum: Sie lässt ein paar knallrote Designer-Schuhe mitgehen und stöckelt damit voller Stolz durch die Straßen. Prompt wird sie für eine Prostituierte gehalten, lehnt zunächst entrüstet das Angebot eines Interessenten ab. Doch als dieser es auf 70.000 Francs erhöht, kann sie nicht widerstehen. So stockt sie fortan ihr Einkommen bei Bedarf und Gelegenheit als „Mädchen für gewissen Stunden“ auf, um sich die schönen Dinge des Lebens leisten zu können - bis sich einer ihrer Kunden, der aus Prag stammende Arzt Jaromil, in sie verliebt, ihr einen Heiratsantrag macht und sie in seine Heimat mitnimmt.

Nach einem Schnitt finden wir uns mitten im Prager Frühling 1968 wider. Das Paar hat eine Tochter bekommen, doch das Eheglück ist getrübt. Jaromil geht fremd. Als Madeleine ihren untreuen Gatten bei seiner Geliebten auf frischer Tat ertappt und sie ihn trotz der nahenden sowjetischen Panzer nicht überzeugen kann, ihr nach Paris zu folgen, schnappt sie sich ihre Tochter Véra und kehrt allein nach Frankreich zurück.

Zehn Jahre später hat sie neu geheiratet, doch aus der Ehe mit dem Gendarmen François ist bald die Luft raus. Immer wieder trifft sie sich mit ihrem Ex-Gatten - jetzt famos verkörpert vom tschechischen Star-Regisseur Milos Forman - bei dessen Geschäftsreisen nach Paris zu kleinen Schäferstündchen.

Wie schon im Vorgängerfilm würzt Honoré die Filmszenen mit geschickt eingestreuten Chansons, die die Handlung auf den Punkt bringen und kommentieren. Und auch die bei ihm beliebten Anspielungen auf seine Idole François Truffaut oder Jaques Demy fehlen hier nicht. Im zweiten Teil des Films - 20 Jahre sind nun vergangen – legt Honoré den Fokus auf Tochter Véra, die ihr Liebesleben einfach nicht in den Griff bekommt und hoffnungslos verstrickt ist in eine unglückliche Liebe zu einem schwulen Musiker. All diese Liebeswirren könnten bleischwer daherkommen, doch weit gefehlt. Aus der Perspektive der Frauen blättert Honoré wie in einem Bilderbuch beschwingt durch die Jahrzehnte, streift dabei die Emanzipationsbewegung ebenso wie die Aids-Ära und endet mit den Problemen der an ihren eigenen Ansprüchen scheiternden heutigen Generation. Ganz bewusst nimmt der Regisseur dabei nach eigenem Bekunden unter anderem durch den Filmtitel-Zusatz „von der Last, glücklich zu sein“ Bezug auf große Liebesepen wie Milan Kunderas Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, die leichtfüßig und tragisch zugleich von den oft verwirrenden Verstrickungen der Gefühle erzählen.

(Anne Wotschke - plb)

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