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Thomas Ruff, nudes pea10, 1999, C-Print, 102 x 178 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Bilderfinder unter den Fotografen

Thomas Ruff in K20

Aus der Not wird eine Tugend. Da sich Corona-bedingt die Programme verschieben, ist die Ausstellung von Thomas Ruff von K21 in das Stammhaus der Kunstsammlung NRW verlegt. Eigentlich für Kunst des 20. Jahrhunderts vorgesehen, entfalten seine großen Bildtafeln hier eine geradezu klassische, lichte Präsenz, und das ist adäquat, wenn wir bedenken, dass Thomas Ruff u.a. Pro­pa­gandafotos des Mao-China, Pornofotos aus dem Internet, wissenschaftliche Aufnahmen von der Marsoberfläche als Grundlage verwendet hat, Motive also, die es auf Plakativität, Dominanz und Detailgenauigkeit angelegt haben. Indem er sie überhöht, ihre Intention auf die Spitze treibt, enthäutet er sie gleichsam. Er legt ihre artifizielle Konstruiertheit – und damit ihre eigentliche Absicht – frei. Darüber hinaus, in seinem gesamten Werk ist Thomas Ruff dem Medium der Fotografie auf der Spur, ihrer Wahrheit ebenso wie ihren Täu­schungs­manövern und ihrer Komplizenschaft mit den ganz neuen Medien des Digitalen, Virtuellen und des Räumlichen. Er nimmt sich der Reizüberflutung und der Bilderwut im Internet an und wendet sich in anderen Werkgruppen den frühen Verfahren in der Fotogeschichte zu. In den letzten Jahren sind auch wie­­der eigene Foto­grafien entstanden, aber Ruff folgt in seiner Arbeit nach wie vor der Erkenntnis, dass er mit seinen Möglichkeiten eben nicht alle Fotografien selbst anfertigen kann, etwa die mit einem Spezialteleskop aufgenommenen Sternenhimmel. Zwar hat er in der Fotoklasse von Bernd Becher an der Kunst­akademie am Eis­kellerberg studiert und wird deswegen der Düsseldorfer Fotoschule zugerechnet. Aber seine von Mal zu Mal wechselnden Arbeitsweisen lassen sich so gar nicht damit vergleichen. Wie etwa auch Jörg Sasse – und der jetzige Professor der Fotoklasse Christopher Williams – wäre er doch eher als Kon­zept­­künstler mit dem Medium Fotografie zu bezeichnen.

Ruffs Ausstellung in K20 ist als Werküberblick angelegt. Sie zeigt nicht alles und lässt sogar bekannte, eigentlich unverzichtbare Werkgruppen weg wie die Nacht­aufnahmen von Kriegsschauplätzen und eben die Sternenhimmel, die aber beispielhaft gegenüber in die Sammlungspräsentation integriert sind. Ge­­wiss ist es schade, dass die Intensität und Intimität, wie sie in Ruffs Schauen einzelner Werkgruppen erzeugt wird, im sachlichen, durch Kojen geordneten Nebeneinander etwas verlorengeht. Das Subversive, mit dem Ruff die technischen Verfahren entlarvt und gleichzeitig neue Faszination erzeugt, ist irgendwie weggeblasen. Aber es bleibt dabei: Herausragender, spannender Künstler, aufregendes Werk.

Thomas Ruff bis 7. Februar in K20
Kunstsammlung am Grabbeplatz,
Di-Fr 10-18, Sa, So 11-18 Uhr

TH

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