Geistergeschichte oder Psychodrama? Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, wenn man die 1954 entstandene Kammeroper „The Turn of the Screw“ von Benjamin Britten (1913-1976) beschreiben will. Auch der Titel, wörtlich übersetzt als „Die Drehung der Schraube“, bietet keine große Hilfestellung, um das Mysteriöse dieser Geschichte zu verstehen. Eine Gouvernante erhält den Auftrag, auf dem englischen Landsitz Bly die beiden Kinder Miles und Flora zu betreuen und für ihre gute Erziehung zu sorgen. Der Auftraggeber ist der Vormund der Kinder, der die Bedingung stellt, ihn niemals mit Problemen dieser Erziehung zu behelligen. Trotz ihrer Zweifel nimmt die Gouvernante den Auftrag an. Sie trifft ihre Pfleglinge gut erzogen und nahezu gedrillt an und wendet sich ihnen gern zu. Doch dann breiten sich Schatten aus in Gestalt der beiden spukhaften Erscheinungen Miss Jessel und Mister Quint. Sie waren ehemalige Angestellte und ein Liebespaar, das auf ungeklärte Weise ums Leben kam. Noch als Tote scheinen sie Einfluss auf die Kinder zu haben. Als die Gouvernante dem Vormund der Kinder darüber berichten will, lässt der Junge Miles den Brief verschwinden. Die Ereignisse spitzen sich zu und drängen zu einer unausweichlichen Klärung mit tödlicher Folge
Brittens Opernthemen – ob von dem englischen Ostküstenpfarrer George Crabbe („Peter Grimes“) oder den amerikanischen Schriftstellern Herman Melville („Billy Budd“) und Henry James („The Turn of the Screw“) angeregt – kreisen immer um Schuld und Unschuld als zentrale moralische Kategorien. „Das Zeremoniell der Unschuld ist ertränkt“, so hatte William Butler Yeats in Reflektion auf den Ersten Weltkrieg gedichtet. Diesen Vers benutzt auch Benjamin Britten in „The Turn of the Screw“, um die viel größere Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zu verarbeiten. Gleichzeitig geht es in dieser Oper aber auch um pubertäre Schuldgefühle, um Obsessionen erwachsener Menschen und um die Phantasie des Bösen, die jegliches Maß an Vernunft und Gutwilligkeit sprengen kann.
Mit „The Turn of the Screw“ ermöglicht die Deutsche Oper am Rhein eine weitere Begegnung mit dem englischen Komponisten Benjamin Britten. Und wieder ist es der Regisseur Immo Karaman, den die Rätselhaftigkeit dieser Werke faszinierte und der versucht hat, sie mit suggestiven Bildern und Situationsschilderungen zu entschlüsseln. Seine Inszenierung wird in Kooperation mit der Oper Leipzig, wo sie 2007 vielbeachtet Premiere hatte, gezeigt.
Benjamin Britten
THE TURN OF THE SCREW
In Kooperation mit der Oper Leipzig
Oper in zwei Akten mit Prolog
Libretto nach Henry James von Myfanwy Piper
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
MUSIKALISCHE LEITUNG Wen-Pin Chien
INSZENIERUNG Immo Karaman
CHOREOGRAPHIE Fabian Posca
BÜHNE Kaspar Zwimpfer
KOSTÜME Marie-Luise Walek
LICHT Michael Röger
DRAMATURGIE Sonja Westerbeck
THE PROLOGUE / PETER QUINT Corby Welch
DARSTELLER PETER QUINT Ulrich Kupas
THE GOVERNESS Sylvia Hamvasi
MRS. GROSE Marta Márquez
QUINT Corby Welch
MISS JESSEL Anke Krabbe
ERSCHEINUNG MISS JESSEL Anna Roura-Maldonado
ORCHESTER Düsseldorfer Symphoniker
20.05. - 15:00 Uhr
22.05. - 19:30 Uhr
26.05. - 19:30 Uhr
10.06. - 15:00 Uhr
Deutsche Oper am Rhein
Heinrich-Heine-Allee

Samir Akika/Unusual Symptoms (DE) „Funny, how?“
20./21.6. im tanzhaus nrw
„m²“ für alle ab 9 von der Compagnie Ea Eo (BE)
23.6. Jonglage und Tanztheater
„Die Goldbergs“
28./29.6. Junges Tanzhaus Uraufführung
Eine florentinische Tragödie / Der Zwerg
15./22./28./30. 6. // 6./13./16./19./21. 7. Deutsche Oper am Rhein
Die Prinzessin auf der Erbse
14.6. // 8./9./10./17.7. in der Deutschen Oper am Rhein
b.16
5./7./9./14./20. 7. Deutsche Oper am Rhein
Elektra
11./13./15. 9. in der Deutschen Oper am Rhein
Zauberflöte für Kinder
14./17. - 20./22./25./26./29. 9. // 27.-29. 12. // 1.-3. 12. Deutsche Oper am Rhein