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Antonio Muñoz Molina: Die Nacht der Erinnerungen. Roman. Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, 1003 S., 29.99 €

Flüchten oder Standhalten

Die biograph Buchbesprechung von Thomas Laux

Es ist eine Geschichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg der 30er Jahre und im Kern eine Liebesgeschichte, die überdies auch noch unglücklich endet. Das klingt abgrundtief banal, wenn nicht trivial, tatsächlich aber besitzt das, was Antonio Muñoz Molina uns auf ausladenden tausend Seiten präsentiert, fast schon die Kontur eines Nationalepos.Im Mittelpunkt steht der Architekt und Hochschulprofessor Ignacio Abel, der sich in die junge amerikanische Studentin Judith Biely verliebt und nun für diese Liebe trotz eines scheinbar intakten familiären Hintergrunds alles aufs Spiel setzt. In der Verschränkung äußerer Ereignisse mit den jeweiligen politischen Einstellungen bekommt diese Beziehung ihren Drive, so dass alle Volten und daraus resultierenden tragischen Entwicklungen erst auf diesem historischen Hintergrund begreifbar werden.Atmosphärisch dicht schildert der Roman die Veränderungen eines vormals normalen Alltags. Es ist zudem Molinas diskontinuierliche Versatztechnik, die einen im Grunde simplen Plot durch ein geschicktes, permanentes Hin- und Herjonglieren in der Vergangenheit in eine spannende Geschichte wandelt. Abels Sicherinnern ist nicht gradlinig, ist eher ein Umkreisen und ein Suchen nach subjektiver Deutung als ein Verfahren der Objektivierung. Die Erzählung bewegt sich dabei auf zwei Ebenen: im Madrid der 1935/36er Jahre zum einen, in den USA zum anderen, wo Abel, nach seiner Flucht aus Madrid, sich in einem Zug nach Rhineberg befindet. Dort am Hudson soll er in seiner Funktion als Architekt einen Hochschulkomplex inspizieren; vornehmlich geht es ihm allerdings darum, die in der Nähe weilende Judith wiederzusehen.Doch in Madrid prallen zuvor die politischen Extreme aufeinander. Die Stimmung ist aufgeheizt, nichts ist mehr sicher. Die Straßen sind voller Barrikaden und Schützengräben, die Telefonleitungen längst tot: bald wird einfach nur noch wild herumgeballert. Jeder kann auf einmal in dem Verdacht stehen, dem gerade nicht genehmen politischen Lager zuzugehören. Ignacio Abel wagt sich nicht vor, er sieht sich nicht als Verteidiger der jungen Republik und damit auch – obwohl er bekennender Sozialist ist - zu keinem direkten Engagement verpflichtet, er misstraut, wie es süffisant heißt, den großen Gesten; in den ideologischen Debatten bleibt er am Rand. Nur mit viel Glück entkommt er einer Exekution durch Milizien, die ihn ihm einen Faschisten sehen. Bezeichnend freilich ist die Szene, in der er seinen Schwager Victor, der vor ihnen ebenso auf der Flucht ist und an seine Tür klopft, aus Feigheit nicht hereinlässt: bewusst überantwortet er ihn seinem Schicksal.

Während in Madrid Republikaner und Falangisten bzw. Faschisten sich also bis aufs Messer bekriegen, denkt Abel vor allem an seine Schäferstündchen mit Judith. Eines Tages kommt Judith nicht zum üblichen Stelldichein in einem gewissen Etablissement, hinterlässt stattdessen eine Nachricht, derzufolge sie nicht mehr länger die folgsame Geliebte sein will. Sie ist es also, die die Akzente setzt und die am Ende sich auch politisch positionieren wird, es ist ein klares Plädoyer für Zivilcourage. Sie verlässt Abel, der als Opfer seiner Naivität und seines Zögerns die historischen Veränderungen geschmäcklerisch dem persönlichen Glücksstreben untergeordnet hat. Da kommt auch jede finale Selbstkritik zu spät.

Antonio Muñoz Molina: Die Nacht der Erinnerungen. Roman. Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, 1003 S., 29.99 €

Thomas Laux aus biograph 12/2011

Literatur.

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Lesung in tschechischer und deutscher Sprache in der Buchhandlung BiBaBuZe

14.-20.6. Düsseldorfer Literaturtage 2012
Düsseldorfer Literaturtage - Bücherbummel auf der KÖ

23. und 24.6. Poesiefestival „VIER GEWINNT!"
im Rahmen der Literaturtage

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