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Familientreffen mit Hindernissen

Familientreffen mit Hindernissen
F 2011, Laufzeit: 113 Min., FSK 12
Regie: Julie Delpy
Darsteller: Lou Alvarez, Julie Delpy, Eric Elmosnino, Aure Atika, Noémie Lvovsky, Bernadette Lafont, Emmanuelle Riva, Vincent Lacoste, Marc Ruchmann
>> www.familientreffen-derfilm.de

Nachdem July Delpy mit ihrem erfolgreichen „2 Tage in Paris“ Blut fürs Regieführen geleckt hat, geht es jetzt Schlag auf Schlag weiter. Gerade erst ist die Fortsetzung „2 Tage in New York“ in unseren Kinos zu sehen, da folgt schon ein neuer Streich: „Familientreffen mit Hindernissen“ basiert auf ihren eigenen Kindheitserinnerungen und ist ein gleichwohl nostalgischer wie bissiger Familienfilm, der den Zuschauer zurück in einen ‚Sonntag auf dem Lande’ des Jahres1979 versetzt.

Es ist just das Wochenende, an dem die außer Kontrolle geratene amerikanische Raumstation "Skylab“ irgendwo über Europa abzustürzen droht– eine vage Bedrohung, die dem Film nicht nur seinen Originaltitel verliehen hat, sondern auch einige der zahlreichen Mitglieder der Drei-Generationen-Familie in Unruhe versetzt. Diese sind im Landhaus der Großmutter in der Bretagne direkt an der Atlantikküste zusammengekommen, um deren 67. Geburtstag zu feiern – so wie es sich für eine französische Großfamilie gehört: mit viel Essen und viel Wein.

Das Treffen des umfangreichen Familienclans wird geschildert aus der Perspektive der 10-jährigen Albertine als Alter Ego Delpys, die Regisseurin selbst spielt Albertines Mutter Anna. Zur Familie gehören noch neben Albertines Vater Jean und ihren beiden Großmüttern zahllose Onkel und Tanten mit ihren jeweiligen Kindern, die bald fröhlich mit den Gedärmen des Grillgutes spielen, während sich einige Familienmitglieder an den benachbarten FKK-Strand verirren.

Und natürlich gehören zu diesem bunten Treiben mit Festmahl auch hitzige Diskussionen über Politik, bei denen sich die Familienmitglieder unterschiedlichster politischer Ausrichtung schnell auseinanderdividieren. Allen voran Albertines Mutter, eine linke Feministin, die mit ihrem früher beim Militär tätigen Schwager bald heftige Wortgefechte führt. Durch ihre detaillierten Beobachtungen fungiert Albertine quasi als Seismograph einer Epoche und wird dabei unmerklich auch ein Stück erwachsener, bekommt die erste Periode, erlebt die erste Liebe und den ersten Liebeskummer.

Wohltuender Weise verzichtet Juliy Delpy hier im Gegensatz zu ihrem „2 Tage in New York“ weitgehend auf Slapstick-Elemente, nicht aber auf Humor und Ironie, konzentriert sich vielmehr auf ihre Charaktere und die liebevoll genaue Ausstattung. Ein besonders gutes Händchen hat sie bei der Führung der Kinderdarsteller. Besonders Lou Avarez als Albertine läuft zu Hochform auf und trägt den Film als beobachtender und sich dabei weiter entwickelnder Mittelpunkt. Als eine der beiden Großmütter gibt Emmanuele Riva, Star in Michael Hanekes Cannes-Abräumer „Amour“, hier schon eine Kostprobe ihres Könnens. Und auch Julie Delpies Vater Albert ist wieder dabei, diesmal als eigensinniger und leicht vergesslicher Onkel Hubert.

Delpy zeichnet hier nicht nur für die Regie, sondern erneut auch für das Drehbuch verantwortlich. „Das Script zu ‚Familienbesuch mit Hindernissen“ jedoch war eine neue Herausforderung für mich“, berichtete sie auf dem Filmfest München. „Es ist ein Film, der weniger von der Handlung angetrieben wird als von den zahlreichen Charakteren. Die Handlung entwickelt sich aus den Charakteren heraus. Fast zehn Jahre lang habe ich an diesem Drehbuch herumgefeilt – und mich dabei in jeden einzelnen der Charaktere verliebt.“

(Anne Wotschke - biograph)

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