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Ouverture März
Jovan Stojsin

Düsseldorf ist dufte, supi, klasse, megagut.

Ouverture März 2012

Ich habe es versprochen. Kein schlechtes Wort über Düsseldorf. Zu oft habe ich mich in den letzten Monaten echauffiert über das, was in Düsseldorf stinkt, was schief läuft, was zum Himmel schreit. Immerzu habe ich draufgehauen. So heftig, dass meine Freunde mir nun Einhalt geboten haben. Kein schlechtes Wort über Düsseldorf! So lautete ihr Vorschlag, den Vorschlag zu nennen einem Euphemismus gleichkäme. Im Sinne des Paten war es wohl eher, sagen wir mal, ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann. Also habe ich versprochen: Kein schlechtes Wort über Düsseldorf.

Ich werde mich also diesmal nicht aufregen über dusselige Pseudodebatten, die von der Ortspresse erst losgetreten und dann fein am Köcheln gehalten werden. Ich weiß, die Kollegen müssen auch morgen etwas zum Drüberschreiben haben, weshalb es ihnen hilft, auch sinnlose Themen mit ganz viel heißer Luft zu füllen und dieselbe dann portionsweise abzulassen. Hier ein Aufreger-Artikelchen, dort eine vermeintlich neue Stimme, aber letztlich vom intellektuellen Gehalt eher eine Nullnummer.

Ich werden mich also diesmal nicht aufregen über irgendeine Pflasterdebatte, sei es am Kö-Bogen oder in der Altstadt, wo jetzt die Fugen zwischen den Steinen mit jener Masse gefüllt werden sollen, die Rathausgewaltigen aus den Ohren heraus quillt, die aber definitiv nicht Hirnmasse genannt werden kann. Ich werde mich auch nicht aufregen über die täglichen Vorschläge, wie man den Kö-Graben bepflanzen kann. Nein, ich werde all die Besserwisser und Korinthenkacker nicht als Kleingeister beschimpfen. Ich lasse sie machen. Man muss auch gönne könne.

Ich werde mich diesmal nicht aufregen über den OB und seine Nichttaten. Soll der doch nicht tun, was er gerne nicht tut. Soll er doch einfach da sitzen und bräsig die Amtsstühle durchscheuern. Mich stört das nicht. Ich kann damit leben. Ich habe den nicht gewählt, aber als guter Demokrat bin ich der Meinung, dass man den Willen des Volkes, wenn er denn einmal per Wahl artikuliert wurde, zu respektieren hat. Und das Volk wollte diesen OB. Wer wäre ich, zu mäkeln?

Ich werde mich diesmal auch nicht aufregen über die Baustellen, die jede wie auch immer geartete Orientierung in dieser Stadt verunmöglichen. Ich werde sie betrachten als Auftrag an mein Pfadfinderherz, mir meinen Weg zu bahnen, mit geistiger Machete die Lianen des Umleitungsgestrüpps zu kappen, auf dass wieder Weite zu spüren ist.

Auf keinen Fall werde ich die mangelnde Flexibilität der Stadtoberen geißeln, wenn es darum geht, Freiraum für Freiraum schaffende Initiativen zu schaffen. Wer bin ich, dass ich mich auf jenes hohe Ross schwingen würde, auf das hierzustadt doch nur Jan Wellem gehört?

Nein, ich habe beschlossen, alles dufte zu finden. Ich mag Düsseldorf, so wie es ist. Eine Stadt, die atmet, die reich ist an wunderbaren Menschen und Stätten, die Flair hat, die…

Ach, ich fände allerdings alles noch viel schöner, wenn ich wüsste, wie ich diese von meinen Freunden an meinem Kopf fest getackerte Brille in ihrem scheußlichen Rosa wieder abbekäme. Und was das mit dem Betonklotz um meine Füße soll, weiß ich auch nicht.

Hans Hoff